Steuerberaterin Anne Billewitz empfiehlt, ab einem jährlichen Gewinn von rund 100.000 Euro ernsthaft über eine Gründung einer GmbH nachzudenken. Doch ob ein solcher Schritt sinnvoll ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab, wie Billewitz in der Deutschen Handwerks Zeitung erklärt.
Grundlagen für eine GmbH
Wenn ein Handwerksunternehmer ein nachhaltiges Einkommen von 100.000 Euro überschreitet, lohnt sich eine gründliche Überprüfung der steuerlichen Vorteile einer GmbH, wie Billewitz betont. Diese Schwelle ist jedoch weder gesetzlich festgelegt noch ein absolutes Maß. Sie beruht vielmehr auf einer kritischen Gewinnschwelle, bei der die Steuerlast für Einzelunternehmer deutlich ansteigt.
Steuerliche Vorteile
Eine GmbH bietet signifikante steuerliche Vorteile, insbesondere im Hinblick auf nicht entnommene Gewinne, die zunächst deutlich niedriger besteuert werden als beim Einzelunternehmer. Hier spielt der 42-Prozent-Tarif eine entscheidende Rolle, der ab 2026 bereits bei einem zu versteuernden Einkommen von 69.879 Euro beginnt. Für einen Alleinstehenden ohne Kirchensteuer und ohne besondere Abzüge bedeutet ein steuerlicher Gewinn von 120.000 Euro eine Einkommensteuer von rund 39.300 Euro im Jahr 2026.
Abzüge und Gewerbesteuer
Die Gewerbesteuer wird beim Einzelunternehmer über § 35 EStG weitgehend auf die Einkommensteuer angerechnet, was die Steuerlast verringert. Ein Gewerbesteuerfreibetrag von 24.500 Euro gilt zudem, der jedoch je nach Gewerbesteuerhebesatz der Gemeinde variieren kann. Das bedeutet, dass für einen Gewinn von 120.000 Euro rund 40.000 Euro an Einkommen- und Gewerbesteuer entnommen werden.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist, wie viel Geld der Unternehmer tatsächlich privat benötigt und wie viel Kapital im Unternehmen verbleiben soll. Anne Billewitz empfiehlt, zunächst zu prüfen, welche Investitionen anstehen und ob es Möglichkeiten gibt, Gewinne durch Investitionsabzugsbetrag, Abschreibungen, Altersvorsorge oder die Gestaltung von Arbeitsverhältnissen zu mindern.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der erste Schritt nicht unbedingt die Gründung einer GmbH sein muss. Eine gründliche Analyse der persönlichen finanziellen Situation und der steuerlichen Rahmenbedingungen ist entscheidend. Billewitz betont, dass die Frage nicht nur darum geht, ab welchem Gewinn eine GmbH erforderlich ist, sondern vielmehr darum, wie viel Gewinn generiert wird und wie viel davon jedes Jahr privat verbraucht werden sollte.
Was das für Bauunternehmen und ihre Vertriebspartner bedeutet: Eine ausführliche Steuerberatung und Analyse der persönlichen Finanzzahlen ist entscheidend, um den optimalen Zeitpunkt für eine Gründung einer GmbH zu bestimmen. Dabei sollten nicht nur steuerliche Faktoren, sondern auch private Finanzbedürfnisse und langfristige Investitionspläne berücksichtigt werden.