Ein beruflicher Neustart in den Dreißigern

Mit Mitte 30 entschied sich Katharina Pfeifer, die bisher als Sport‑ und Geographielehrerin tätig war, für einen radikalen Kurswechsel. Die heute 39‑jährige aus Winterstein (Landkreis Gotha) legte ihren sicheren Lehrerposten trotz zweier kleiner Kinder und eines laufenden Hauskredits auf, um den Schritt in das Handwerk zu wagen.

Die Entscheidung fiel nach einer intensiven Phase der Elternzeit, in der sie für Familie und Freunde Torten backte. „Ich habe mein Herz daran verloren und wollte immer besser werden“, erklärt Pfeifer selbst, wie die Deutsche Handwerks‑Zeitung berichtet.

Der Weg zur Konditormeisterin

Ein Probearbeitstag im Herbstferien‑Intervall 2021 überzeugte sie endgültig. Anschließend bewarb sich die ehemalige Lehrerin in einem Konditoreibetrieb und begann ein Teilzeit‑Lehrgang mit einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden.

Der Bericht führt aus, dass Pfeifer 2025 sowohl die Gesellenprüfung bei der Handwerkskammer Erfurt als auch unmittelbar danach den Meisterabschluss absolvierte. Der theoretische Teil wurde in Erfurt abgelegt, während die praktische Prüfung in Baden‑Württemberg stattfand. Dank ihrer pädagogischen Vorbildung musste sie für den Ausbilderschein lediglich die Praxisprüfung bestehen.

Familie und Ausbildung – ein Balanceakt

Der Wechsel brachte signifikante Veränderungen im Familienleben mit sich: Wochenend‑ und Feiertagsarbeit mussten mit den Bedürfnissen von Mann und Kindern abgestimmt werden. Pfeifer betont, dass ohne die Unterstützung ihres Partners das Vorhaben nicht realisierbar gewesen wäre.

Finanziell stellte der Übergang ebenfalls eine Umstellung dar. Nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst folgte zunächst die reguläre Ausbildungsvergütung – ein deutlich geringeres Einkommen als ihr vorheriges Lehrergehalt. Zudem erhielt sie kein Aufstiegs‑BAföG, weil bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen war.

Ausblick: Schritt in die Selbstständigkeit

Nach Abschluss des Meisterkurses richtet Pfeifer ihren Blick nun auf die Unternehmensgründung. Die Quelle legt dar, dass sie aktiv Planungen für eine eigene Konditorei vorantreibt und dabei das erlangte Fachwissen sowie ihre pädagogische Erfahrung einbringen möchte.

What this means for operators

Für Ausbildungsbetriebe und Personalverantwortliche im Handwerk zeigt Pfeifers Werdegang, dass flexible Teilzeitmodelle und die Anerkennung von Vorqualifikationen – etwa pädagogischer Hintergründe – entscheidend sein können, um Quereinsteiger zu gewinnen. Gleichzeitig wird deutlich, dass finanzielle Förderungen wie das Aufstiegs‑BAföG bei bereits abgeschlossenen Studiengängen nicht greifen, was potenzielle Lücken in der Unterstützung neuer Meisterkandidaten offenbart. Betreiber von Ausbildungsprogrammen sollten daher alternative Finanzierungsmöglichkeiten prüfen und familienfreundliche Schichtpläne anbieten, um die Vereinbarkeit von Beruf, Weiterbildung und Haushalt zu gewährleisten.