Auftrag erledigt, Rechnung gestellt – und dann wochenlang warten. Dieser Situation begegnen viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die von säumigen Kunden betroffen sind. Ein Instrument, um den Druck zu mildern, ist das Forderungsverkauf oder Factoring. Michael Ritter, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM), erklärt in einem Interview, warum der Forderungsverkauf trotz wachsendem Volumen wenig bekannt ist und wie er vor allem für kleinere Unternehmen interessant ist.
Was ist Factoring?
Factoring setzt sich darin auseinander, dass ein Dritter (die Faktor) die offenen Forderungen eines Unternehmens übernimmt. Dabei wird das Geld direkt an den Vertrieb gezahlt und der Faktor sorgt für die Bezahlung des Kunden. Dies schafft für das Unternehmen eine schnelle Liquidität, um seine Zahlungen, Löhne und andere Kosten zu finanzieren.
Weshalb ist Factoring wichtig für kleine und mittlere Unternehmen?
Ritter betont, dass Factoring heute bereits ein festes Bestandteil in der Finanzierung von KMU geworden ist. Es bietet diesen Betrieben mehr Handlungsfähigkeit und Planungssicherheit, indem es offene Forderungen zu Liquidität umwandelnt. Zudem ist Factoring kein Instrument nur für große Unternehmen: 90 Prozent der Nutzer des Factoring haben laut dem Deutschen Factoring Verband nicht mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz.
Wie hat sich der Markt in den letzten 25 Jahren entwickelt?
Zu Beginn von 1998 war Factoring ein Nischenprodukt, das viele Unternehmen kaum kannten oder mit Vorbehalten sahen. Heute sprechen wir laut Statista über ein Marktvolumen von knapp 400 Milliarden Euro, wobei mehr als neun Prozente der deutschen KMU Nutzungsmittel für ihre Finanzierung nutzen.
Welche Bedeutung hat Factoring für den Mittelstand?
Factoring ist für viele Betriebe mittlerweile zum festen Bestandteil in der Finanzierung geworden. Die Unternehmen müssen heute viel aktiver für Liquidität sorgen als früher, da Banken Kreditvergabe immer schwerer finden und Sicherheiten wie das Umlaufvermögen nicht nutzen können. Factoring setzt genau dort an, wo klassische Bankkredite schwierig sind.
Michael Ritter betont: "Es ist längst kein Instrument nur für große Unternehmen. Rund 90 Prozent der Factoring-Nutzer haben laut dem Deutschen Factoring Verband nicht mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz. Gerade kleine und mittlere Unternehmen nutzen es, um ihr Wachstum zu finanzieren, größere Aufträge anzunehmen oder sich besser gegen Zahlungsausfälle abzusichern."
Was dieses für Operatoren bedeutet
Für Schiffseigner und Kapitäne in der Maritimen Handelsbranche ist es wichtig zu verstehen, dass Factoring eine Möglichkeit bietet, um wochenlange Forderungen schneller zu liquidieren. Dies kann helfen, finanzielle Druckpunkte zu reduzieren und die Fähigkeit zu erhöhen, größere Aufträge anzunehmen oder Investitionen in neue Technologien vorzunehmen.