Erstmals seit Monaten hat die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland abgenommen, gemessen an dem Monat Mai. Das Statistische Bundesamt berichtete, dass Amtsgerichte 1.995 Insolvenzbeantragungen erhielten, was 2,0 Prozent weniger als im Vorjahresmonat ist. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Verbraucherpleiten aus, die deutlich zurückgegangen sind. Allerdings sehen Experten keine Trendwende. Im Januar bis Mai 2023 stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen um knapp fünf Prozent auf 10.546. "Insolvenzen gehören zur Marktwirtschaft, aber das aktuelle Ausmaß muss uns alarmieren," sagte Helena Melnikov, DIHK-Hauptgeschäftsführerin.

Wachsender Wettbewerbsdruck und höhere Kosten

Der Verband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) sieht in der aktuelligen Entwicklung vor allem einen wirtschaftlichen Strukturwandels, nicht einen Alarmberechtigten Zustand. "Die aktuelle Entwicklung ist vor allem Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels," erklärt Christoph Niering, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des VID. "Nicht jedes Geschäftsmodell, das vor zehn Jahren funktioniert, passt noch zu den heutigen Marktbedingungen." Verändertes Konsumverhalten, Digitalisierung, höhere Finanzierungskosten und neue Formen der Arbeitsorganisation setzen Unternehmen unter Anpassungsdruck.

Am stärksten betroffen sind die Branche Verkehr und Lagerei

Die Statistik zeigt, dass bezogen auf 10.000 Unternehmen von Januar bis Mai 29,8 Insolvenzen gemeldet wurden. Die Branche Verkehr und Lagerei ist am stärksten betroffen mit 57,2 Fällen je 10.000 Firmen. Das Gastgewerbe folgt mit 49,2 Fällen und das Baugewerbe mit 44 Fällen. In den meisten Branchen, die von der Insolvenzkrise betroffen sind, kämpfen Unternehmen mit steigenden Energiekosten und Konsumflaute. Für Betroffene ist jede Insolvenz schmerzhaft und mit erheblichen Folgen verbunden, sagt Niering. "Zugleich werden dort, wo Geschäftsmodelle nicht mehr tragen, Kapazitäten frei." Entscheidend ist, dass Kapital, Flächen und Arbeitskräfte danach in zukunftsfähige Geschäftsmodelle fließen.