Den Kopf voll, aber nirgends so richtig bei der Sache: Wer wünscht sich nicht, aufmerksamer und konzentrierter sein zu können? Die gute Nachricht: Das können wir üben. Was dabei wichtig ist. Wann haben Sie zuletzt etwas wirklich zu Ende gelesen, ohne zwischendurch aufs Handy zu schauen? Falls Sie gerade überlegen müssen – das sagt bereits viel. Viele kennen das Gefühl: die Fähigkeit, sich länger auf eine Sache zu konzentrieren, schwindet. "Wir haben in den letzten Jahren verlernt, uns länger zu fokussieren und zu konzentrieren", sagt Cordula Nussbaum, Coachin und Autorin. Ursache für unsere verkürzten Aufmerksamkeitsspannen ist ihr zufolge vor allem die veränderte Medienlandschaft. Social Media mit kleinen Informationshäppchen, das Smartphone, das immer zur Hand ist und uns mit Alerts in Atem hält. Ruhe hingegen ist uns suspekt. "Kommt von außen nichts, spüren viele Menschen inzwischen den Impuls: 'Ich könnte mal schnell nach dem Handy greifen'", so Nussbaum. Auch der Neurowissenschaftler und Autor Henning Beck beobachtet das: "Das Gehirn hat sich daran gewöhnt, dass alle paar Minuten etwas passiert, sonst wird man unruhig."

Die Auswirkungen auf die Konzentration

Paradoxerweise sind in ihr Smartphone vertiefte Menschen wie gefesselt, scheinen aufmerksam und konzentriert. Aber diese Art von Aufmerksamkeit erfüllt letztlich nicht. "Es gibt kein Ziel und kein Ende, man kann nirgendwo ankommen", sagt Beck. "Man hat nichts vollbracht, auf das man stolz sein kann, wenn man zig Insta-Videos angeschaut hat." Klingt erst mal entmutigend. Die gute Nachricht: "Alles, was wir verlernt haben, können wir auch wieder lernen", sagt Cordula Nussbaum. Henning Beck zufolge bringt es dabei nichts, Technik generell zu verteufeln. Stattdessen nutzt man sie lieber sinnvoll und zielgerichtet. Dazu gehört auch, sie immer wieder bewusst beiseitezulegen, um Dinge zu tun, die mehr als nur einen kurzfristigen Kick bringen. Das heißt konkret: Den Fokus auf einen gleichbleibenden Inhalt zu richten, statt gedanklich hin und her zu springen. "Ablenkung ist eine Entscheidung", so Beck. Wenn Gewohnheiten – etwa der ständige Griff zum Handy – sich über Jahre eingefahren haben, muss man sie neu überschreiben.

Praktische Übungen für die Konzentration

Beck schlägt vor, sich bewusst Räume und Zeiten ohne Bildschirme zu etablieren. "Eine gute Regel ist zum Beispiel: nicht morgens vor und nicht abends nach dem Zähneputzen." Oder das Handy komplett aus dem Esszimmer zu verbannen, und E-Mails nur am PC zu erledigen. Auch die Benachrichtigungen auf dem Gerät lassen sich deaktivieren. Das bedeutet, den E-Mail-Alarm abzuschalten und stattdessen reguläre Zeiten für die Kontrolle der Post zu festlegen. Dies kann dazu beitragen, unangemessene Informationsflut zu reduzieren und den Geist zu klären.

Was dies für Operatoren bedeutet

Die Konzentration ist besonders wichtig für maritime Operatoren, die aufmerksam sein müssen, um Verhältnisse zu beurteilen und Entscheidungen zu treffen. Ohne fokussierte Aufmerksamkeit kann die Sicherheit gefährdet sein. Daher sollten Schiffsleute und andere Fachkräfte, die mit Technik interagieren, bewusst Übungen einleiten, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Durch das Setzen von Grenzen und die Einrichtung von Zeiten ohne digitale Ablenkungen können die Konzentration und die Effizienz gesteigert werden, was letztlich zu einer verbesserten Arbeitssicherheit und effizienteren Schiffsführung beiträgt.