Die Bundesregierung will die sogenannte Westbalkanregelung ab dem 1. Januar 2027 halbieren. Statt bisher 50.000 sollen künftig nur noch 25.000 Visa pro Jahr vergeben werden. Diese Regelung erlaubt Menschen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien, in Deutschland zu arbeiten, ohne Nachweis einer formalen Qualifikation für Beschäftigungen in nicht-reglementierten Berufen.

Für das Bauwesen entscheidend

Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) kritisiert die Pläne scharf. Der Bundesverband der Gewerkschaft IG BAU (IG BAU) und der Bundesbund der Bauindustrie (BB) unterstützen diese Kritik ebenfalls. Felix Pakleppa, der Hauptgeschäftsführer des ZDB, warnt vor einer Kürzung, die das Bauwesen belasten wird. "Für die Baubranche ist die Regelung das erfolgreichste Modell zur Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften aus Drittstaaten", betont Pakleppa.

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigen die Bedeutung dieser Regelung: Das Kontingent für 12.2025 war bereits Ende November 2024 ausgeschöpft. Neue Anträge konnten erst nach dem Jahreswechsel beschieden werden, während vorliegende Anträge abgelehnt wurden.

Ein Konflikt mit der Investitionsstrategie

Die Bundesregierung begründet die Kürzung mit der steigenden Arbeitslosigkeit hierzulande. "Der Bund stellt mit dem Sondervermögen Milliarden für Brücken, Schienen und Wohnungen bereit und kürzt gleichzeitig den Zugang genau für die Menschen, die diese Projekte bauen sollen. Das passt nicht zusammen", erläutert Pakleppa. In der Bauwirtschaft gehen rund 30 Prozent aller Visa nach der Westbalkanregelung ein, was mehr als in jeder anderen Branche ist.

Der ZDB hält es für notwendig, die Obergrenze aufzuheben, um die Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken. "Auf dem Bau hat jeder siebte Beschäftigte einen ausländischen Pass", fügt Pakleppa hinzu. "Wenn die Bundesregierung das Kontingent halbiert, bremst sie den Aufschwung, den sie gerade finanziert."

Wirtschaftliche Konsequenzen

Die Kürzung der Visa-Grenze würde den Bauwirtschaftsbetrieben einen schweren Schlag versetzen. Ohne zusätzliche Arbeitskräfte kann das Bauwesen viele Projekte nicht realisieren, was zu Verspätungen und Kostensteigerungen führen könnte. Die Fähigkeit zur effizienten Projektplanung und -realisierung wird beeinträchtigt.

Zudem würde die Kürzung der Visa-Grenze die Mobilität und Flexibilität der Arbeitskräfte einschränken, was wiederum die Fähigkeit des Bauwesens beeinträchtigt, sich an die veränderten Bedürfnisse der Gesellschaft anzupassen.

Was das für Bauunternehmen und ihre Vertriebspartner bedeutet: Eine Kürzung der Visa-Grenze würde den Bauwirtschaftsbetrieben erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Sie müssen dringend nach alternativen Lösungen suchen, um die Nachfrage nach Arbeitskräften zu decken, beispielsweise durch die Förderung der innerdeutschen Wanderung oder durch den Einsatz von automatisierter Baukette. Diese Umstellungen erfordern jedoch Zeit und Investitionen, die möglicherweise nicht ausreichend vorhanden sind, um das bevorstehende Arbeitskräftemangel zu kompensieren.